Aktuelle Ernährungspyramide: Wie viel wovon ist eigentlich gut?

/ 23. November 2015
aktuelle ernaehrungspyramide

Erst vor kurzem wurden wir von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gewarnt, dass übermäßiger Wurst- und Fleischkonsum krebserregend wirkt.

„Verbraucher sollten ihren Konsum einschränken!“ [1] Ja, das stimmt – jedoch wie schon einst Paracelsus sagte – „die Dosis macht das Gift!“

Ein soziologischer Ausflug und was ein Indigener mit McDonald’s zu tun hat

Ein kleiner soziologischer Ausflug führt uns zu unseren Vorfahren, den Jägern und Sammlern. Zu jener Zeit mussten wir mit wenig Essen auskommen und sporadische Nahrungsaufnahmen effektiv umsetzen. Dies gilt vor allem in Hinblick auf den damaligen Fleischkonsum. War die Jagd nicht erfolgreich, gab es keine fleischliche Alternative. Daher beschränkten sich die Fleischmahlzeiten auf 1 bis höchstens 2 mal pro Woche. So wurde Fleisch vom damaligen Luxuslebensmittel zum heutigen Hauptnahrungsmittel. Die Folgen von einem doppelt bis dreifach so hohen Verzehr an Fleisch liegen auf der Hand: „Wenn man heute einen Buschmann nach Kapstadt bringt und bei McDonald’s verköstigt, ist der wahrscheinlich in einem Jahr Diabetiker.“ [2]

Die aktuelle Ernährungspyramide

Das sind ja alles erschreckende Nachrichten. Wie viel wovon sollte ich dann idealerweise zu mir nehmen? Um diese Frage beantworten zu können, haben wir ein gutes Hilfsmittel, und zwar die sogenannte „Ernährungspyramide“. Jene Grafik soll uns die relativen Mengenverhältnisse von Lebensmittelgruppen präsentieren, die wir täglich zu uns nehmen sollten. [3]

österreichische Ernährungspyramide[6]

Wie man sieht, besteht die Pyramide aus 7 Etagen mit unterschiedlichen Lebensmittelgruppen. Eine allgemeine Orientierung lautet: „je weiter unten ein Lebensmittel zu finden ist, desto mehr sollte davon konsumiert werden bzw. desto häufiger sollte es Bestandteil von Rezepten sein.“ [4] Jene Grafik soll nun bitte zu keiner Überforderung führen, denn – keine Angst – es gibt eine kleine Eselsbrücke, wie man sich die tägliche Lebensmittelempfehlung leicht merken kann, und zwar anhand der sogenannten „6er Regel“: [5]

  • 6 Portionen alkoholfreie Getränke (1 Portion sind 250 ml Wasser oder ungesüßter Tee)
  • 5 mal Obst und Gemüse am Tag (1 Portion ist eine geballte Faust)
  • 4 Portionen Getreide und Erdäpfel (1 Portion ist bei Brot eine Handfläche groß, bei Getreideflocken eine Handvoll und bei Kartoffeln, Reis und Nudeln 2 Fäuste)
  • 3 Portionen Milch und Milchprodukte (1 Portion sind 200 ml)
  • 2 Portionen Fett und Öle (1 Portion bei Nüssen und Samen sind 2 EL und bei Öl und Streichfett 1 EL)
  • 1 Portion Fleisch, Fisch Wurst oder Eier (1 Portion Wurst entspricht bis zu 2 handtellergroßen, dünnen Scheiben und bei Fleisch und Fisch ist es ein handtellergroßes, fingerdickes Stück)

Ganz oben an der Spitze der Pyramide befinden sich die süßen, salzigen und fetten Verführungen – diese sollten maximal einmal pro Tag konsumiert werden. Eher weniger, dafür mit umso mehr Genuss!

Die Ernährungspyramide im internationalen Vergleich

Weltweit sind die falsche Ernährung und deren Konsequenzen spürbar; umso spannender ist der internationale Vergleich, sich umzusehen, wie die einzelnen Länder ihre Ernährungspyramiden aufbauen und ihre Nährstoffempfehlungen abgeben.

ernährungspyramide usa
[7]

Die amerikanische Pyramide hat als Hauptaugenmerk auf jene Figur, die die Stiegen hinaufläuft – was die Wichtigkeit der täglichen Bewegung darstellt. Die Lebensmittelgruppen sind farblich codiert und die Breite der Ecken beschreibt das individuell gewünschte Maß. Persönlich finde ich, dass es so schon schwierig ist, das richtige Maß zu finden. Und jene Pyramide macht es nicht gerade einfacher, das richtige Maß zu finden.

ernährungspyramide argentinien[8]

Die Argentinier mögen es lieber rund. Wie man sieht, zieht sich die Wasserspur durch das gesamte Oval. Ganz vorne stehen die Lebensmittelgruppen, die am meisten gegessen werden sollten. Optisch kleiner werdend sind jene Lebensmittel, die weniger konsumiert werden sollten. Diese Ernährungspyramide ist eher schwierig, denn sie sollte ja von Laien verstanden werden. Wenn man jedoch in diesem Bereich nicht geübt ist, ist die Aussage der grafischen Darstellung eher unverständlich.

Der zunehmende Fleischkonsum im westlichen Lebensstil geht leider tatsächlich mit einem erhöhten Krebsrisiko einher. Die Ernährungspyramide stellt ein handliches Hilfsmittel dar, was die Gestaltung einer ausgewogenen Mischkost entsprechend der Nährstoffempfehlungen vereinfachen soll. Die Basis der österreichischen Ernährungspyramide wird von unserem wichtigsten Lebenselixier dominiert, dem Wasser. Und Süßes oder Saures bekommt man oben.

Auf der ganzen Welt steigt auch das Erkrankungsrisiko „Adipositas“, und jedes Land geht damit anders um. Die Unterschiede beginnen schon mit der Darstellung der länderspezifischen Ernährungspyramide. Der internationale Vergleich der unterschiedlichen Strategien um eine ausgewogene Mischkost zu erreichen, stellt die Vielfalt unseres Ernährungsdilemmas dar und somit auch die Vielfalt der Erkrankungen. Um die täglichen Ernährungsempfehlungen zu erreichen, empfehle ich kleine Schritte zu machen und diese durchzuhalten, denn es braucht durchschnittlich 60 Tage, um alte Gewohnheiten durch neue zu ersetzen.

Noch ein kleiner Tipp am Rande, ich würde mit Regel Nummer 5 beginnen.

Guten Start!


[1] Frankfurter Allgemeine Zeitung. Wurst und Fleisch als krebserregend eingestuft.
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/wurst-und-fleisch-laut-who-gesundheitsgefaehrdend-13877200.html Zugriff 31.10.2015
[2] Diabetes Austria. Ärzteportrait. Das Ass von Alland. https://www.diabetes-austria.com/detail.php?stID=1183&kat=13&page_title=%C3%84rzteportraits Zugriff: 31.10.2015[3] Wikipedia. Ernährungspyramide. https://de.wikipedia.org/wiki/Ern%C3%A4hrungspyramide#Ern.C3.A4hrungspyramide_des_.C3.96ste
rreichischen_Bundesministerium_f.C3.BCr_Gesundheit Zugriff 31.10.2015
[4] Bundesministerium für Gesundheit. Österreichische Ernährungspyramide. http://bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Ernaehrung/Empfehlungen/Die_Ern%C3%A4hrungspyramide
_im_Detail_-_7_Stufen_zur_Gesundheit Zugriff 31.10.2015
[5] Bundesministerium für Gesundheit. Gesund Genießen.
http://bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Ernaehrung/Rezepte_Broschueren_Berichte/PIXI_Buch_Gesund_geniessen_ Zugriff 31.10.2015
[6] Bundesministerium für Gesundheit. Die Ernährungspyramide im Detail – 7 Stufen zur Gesundheit. http://bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Ernaehrung/Empfehlungen/Die_Ern%C3%A4hrungspyramide_im_Detail_-_7_Stufen_zur_Gesundheit Zugriff 31.10.2015
[7] United States Department of Agriculture Center for Nutrition Policy and Promotion. Food Pyramid Guide. http://origin.www.cnpp.usda.gov/FGP.html Zugriff 31.10.2015
[8] Doble Karma. Piramide y Ovalo Nutricional: doblekarma.com/piramide-nutricional/ Zugriff 31.10.2015

katharina

Die Autorin Katharina Maruszczak ist Ernährungsberaterin und hat den Master in Ernährungswissenschaften.

2 Antworten:

  1. Glückwunsch zu dem gelungenen Beitrag! Ich wusste noch gar nicht, dass es regionale und kulturelle Unterschiede bei der Ernährungspyramide gibt – auf jeden Fall ein interessantes Thema auf das du uns da aufmerksam gemacht hast!
    Liebe Grüße
    Das FFS-Team

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