Hochverarbeitete Lebensmittel sind schlecht für die Gesundheit

/ 8. September 2015
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Verarbeitete Lebensmittel, die den Großteil der “westlichen Ernährungsweise” ausmachen (siehe Blogeintrag „6 Ernährungsfakten, die jeder kennen sollte“), tragen maßgeblich dazu bei, dass Bevölkerungen dicker und kränker werden.

Es lässt sich genau nachverfolgen: Jedes Mal, wenn ein Land die westliche Diät annimmt, schlägt sich das auf die Bevölkerung nieder. Natürlich sind die meisten Lebensmittel, die wir essen auf eine Art und Weise verarbeitet. Der Unterschied liegt in der Verarbeitungsweise: Mechanisch (wie etwa Fleisch zu Hackfleisch) oder chemisch. Wenn ein einziger Inhaltsstoff oder mehrere ohne chemische Zusätze verarbeitet wurden (z.B. zu einem Riegel), dann macht das nichts, es handelt sich immer noch um ein wirkliches Lebensmittel. Wenn ein Produkt hingegen chemisch verarbeitet wird und nur aus raffinierten Inhaltsstoffen und künstlichen Substanzen besteht, sprechen wir von verarbeiteten Lebensmitteln.

Warum sind hochverarbeitete Lebensmittel schlechter für das Wohlbefinden als nicht verarbeitete Lebensmittel?

 

1) Verarbeitete Lebensmittel weisen für gewöhnlich einen hohen Wert an Zucker und Fructose-Glucose Sirup (High-Fructose-Corn-Syrup) auf


Verarbeitete Produkte sind voll von zugesetztem Zucker und wenn dieser in hohen Dosen konsumiert wird, hat es schädliche Folgen für den Körper. Die Lebensmittelindustrie muss nicht angeben, wie viel Zucker zugesetzt wurde. Man kann aber davon ausgehen, dass in einem normalen Supermarkt 70-80% der Produkte zugesetzten Zucker aufweisen. Zucker wird zwar für den sofortigen Energieausstoß benötigt, bietet darüber hinaus aber nur “leere Kalorien”, da er sonst keine essentiellen Nährstoffe bietet. Studien belegen, dass Zucker verheerende Effekte auf den Stoffwechsel haben kann.[i] Ein zu hoher Zuckerkonsum kann zu Insulinresistenz, steigendem Cholesterinlevel und Fettzunahme um die Leber und in der Bauchhöhle führen.[ii] Daher überrascht es nicht, dass der Zuckerkonsum stark mit den gefährlichsten Krankheiten der Welt zusammenhängt, Adipositas, Herzkrankheiten, Diabetes und Krebs inkludierend.[iii]

Fazit: Verarbeitete Lebensmittel und Getränke haben den meisten zugesetzten Zucker in eurer Ernährung und sind hauptverantwortlich für viele schwerwiegende Krankheiten weltweit.

2) Verarbeitete Lebensmittel sind super-belohnend und führen so zu übermäßigem Verzehr


Wir alle wollen gutes Essen, das liegt in der menschlichen Natur. Die Evolution hat uns Geschmacksknospen gegeben, die uns dabei helfen sollen, die natürliche Nahrungsumgebung zu verstehen, was zu Zeiten von Jägern und Sammlern sehr wichtig war. Unser Appetit tendiert zu süßer, salziger und fettiger Nahrung, da wir wissen, dass solche Nahrungsmittel viel Energie und Nährstoffe enthalten, die wir für unser Überleben brauchen. Wenn also ein Nahrungsmittelhersteller ein erfolgreiches Produkt kreieren will, muss es gut schmecken. Allerdings herrscht heute großer Wettbewerb und die vielen großen Nahrungsmittelhersteller konkurrieren untereinander. Deshalb werden heutzutage massive Ressourcen aufgebracht, um Produkte so begehrenswert wie möglich zu machen. Viele verarbeitete Lebensmittel sind verändert worden, um unglaublich belohnend zu wirken, sodass alles natürliche in den Hintergrund rückt. Obwohl wir Mechanismen im Gehirn haben, die regulieren sollten, wie viel Energie wir zu uns nehmen, zeigt die Forschung auf, dass belohnende Lebensmittel diese Regulierung ausschalten und uns veranlassen, mehr zu essen und zwar so viel mehr, dass unsere Gesundheit negativ beeinflusst wird.[iv]

Fazit: Verarbeitete Lebensmittel haben die Power, unsere Gedanken, unser Verhalten und somit unsere Nahrungsaufnahme zu beeinflussen.

3) Verarbeitete Lebensmittel beinhalten jede Menge künstliche Zusatzstoffe


Wenn ihr euch eine Inhaltsstoffliste von einem verarbeiteten, verpackten Lebensmittel anschaut, ist die Chance hoch, dass ihr die meisten Namen gar nicht aussprechen könnt. Warum? Weil viele der enthaltenen Zutaten gar keine tatsächlichen Lebensmittel sind, sondern zugesetzte künstliche Chemikalien mit verschiedenen Zwecken. Hochverarbeitete Lebensmittel beinhalten meist: Konservierungsmittel (Chemikalien, die das Verfaulen des Lebensmittels verhindern), Farbstoffe (Chemikalien, die dem Lebensmittel seine Farbe geben), Geschmacksstoffe (Chemikalien, die dem Lebensmittel seinen Geschmack geben), Texturverbesserer/Zusätze zur Strukturfestigung (Chemikalien, die dem Lebensmittel seine Textur geben). Beachtet aber, dass verarbeitete Lebensmittel weitaus mehr Chemikalien aufweisen können, die gar nicht auf der Verpackung aufgelistet werden müssen. Beispielsweise kann “künstlicher Geschmacksstoff” aus zehn oder mehr verschiedenen Chemikalien bestehen. Natürlich sind die meisten Chemikalien auf ihre Sicherheit geprüft, allerdings glauben die zuständigen Regierungsbehörden immer noch, dass Zucker unbedenklich ist, insofern sollte man das Ganze mit Vorsicht genießen.

Fazit: Die meisten hochverarbeiteten Lebensmittel sind mit künstlichen Chemikalien, Geschmacksstoffen, Texturverbesserern, Farbstoffen und Konservierungsmitteln geladen.

4) Viele Konsumenten können nach verarbeitetem “Junk Food” süchtig werden


Wie oben beschrieben, können Lebensmittel die ein “belohnendes” Gefühl im Gehirn auslösen, schwerwiegende Konsequenzen für Konsumenten haben. Manche Verbraucher werden süchtig und verlieren die Kontrolle über ihre Verzehrmengen. Obwohl “Essenssucht” den meisten Konsumenten kein Begriff ist, ist es ein von der Wissenschaft anerkanntes Problem der heutigen Gesellschaft. Es ist der Hauptgrund, warum manche Konsumenten nicht aufhören können, diese Art von Lebensmittel zu essen, egal wie sehr sie es versuchen. Es passiert Folgendes: Das Gehirn wird mit einem sehr hohen Level an Dopamin überwältigt, dass der Körper ausschüttet, nachdem er hochverarbeitete Lebensmittel aufgenommen hat. Dopamin ist das so genannte “Glückshormon”, das für das gute, belohnende Gefühl nach dem Verzehr verantwortlich ist.[v] Zucker und belohnendes “Junk Food” aktivieren die gleichen Gehirnzentren, wie die Droge Kokain.[vi]

Fazit: Für viele Verbraucher kann Junk Food das Gehirn überwältigen und somit ein Suchtverhalten auslösen, das zu übermäßigem Konsum führt.

5) Hochverarbeitete Lebensmittel weisen einen hohen Anteil an raffinierten Kohlenhydraten auf


Die Meinungen teilen sich, wenn es um Kohlenhydrate geht. Manche sagen, dass unsere Energie zum Großteil von Kohlenhydraten kommen sollte, während andere glauben, dass man den Konsum von Kohlenhydraten so weit wie möglich beschränken sollte. Doch eines ist sicher: Kohlenhydrate von vollwertigen Lebensmitteln sind deutlich besser als raffinierte Kohlenhydrate. Hochverarbeitete Lebensmittel weisen fast ausschließlich veränderte Kohlenhydrate auf. Das Problem dabei ist, dass diese “einfachen” Kohlenhydrate im Verdauungstrakt schnell heruntergebrochen werden, somit schnell ins Blut gelangen und einen raschen Anstieg des Blutzuckers und des Insulinlevels bewirken (sie haben einen hohen glykämischen Index). Ein paar Stunden später, wenn der Blutzuckerlevel sinkt, verlangt der Körper wieder nach Kohlenhydraten, die Sucht meldet sich! Natürlich ist der Verzehr von raffinierten Kohlenhydraten mit vielen negativen gesundheitlichen Auswirkungen und vielen chronischen Krankheiten assoziiert.[vii] Lasst Euch nicht von der Aufschrift “Vollkorn” täuschen, diese findet man auch oft auf Verpackungen von hochverarbeiteten Lebensmitteln, Früchstückszerealien inkludiert. Sie beinhalten normalerweise volles Korn, das zu feinem Mehl gemahlen wurde und damit genauso schädlich ist wie die raffinierte Version.

Fazit: Wenn ihr Kohlenhydrate esst, dann achtet darauf, dass sie von ganzen, einzelnen Nahrungsmittelbestandteilen kommen, nicht von hochverarbeitetem Junk Food.

6) Die meisten verarbeiteten Lebensmittel haben wenig Nährstoffe


Verarbeitete Lebensmittel haben sehr wenige Nährstoffe, wenn man sie mit unverarbeiteten vergleicht. Natürlich gibt es Produkte, denen synthetische Vitamine zugesetzt werden, aber natürliche Lebensmittel enthalten viel mehr als nur die üblichen Vitamine und Mineralstoffe. Sie enthalten tausende Spurennährstoffe, die die Wissenschaft gerade erst zu erfassen beginnt. Der einzige Weg,diese in eure Ernährungsweise einzuschließen, ist, indem ihr natürliche Lebensmittel konsumiert. Je mehr hochverarbeitete Lebensmittel ihr zu euch nehmt, desto weniger Vitamine, Minerale, Antioxidantien und diverse Spurennährstoffe gebt ihr eurem Körper.

Fazit: Es gibt unendlich viele Nährstoffe in vollwertigen Nahrungsmitteln, die in verarbeiteten Lebensmitteln nicht zu finden sind. Je verarbeiteter ein Lebensmittel ist, desto weniger Nährstoffe sind enthalten.

7) Verarbeitete Lebensmittel neigen dazu nur wenig Ballaststoffe zu haben


Gerade lösliche und fermentierbare Ballaststoffe bringen sehr viele Vorteile mit sich. Ein sehr bedeutender Vorzug ist die prebiotische Funktion. Sie dient als Nährmedium für die positiven Keime der Darmflora.[viii] Außerdem verlangsamen Ballaststoffe die Aufnahme von Kohlenhydraten, was trotz Aufnahme von weniger Kalorien zu einem längeren Sättigungsgefühl führt und den Blutzuckerspiegel gleichmäßig ansteigen lässt.[ix] Lösliche Ballaststoffe können außerdem bei Verstopfung helfen.[x] Die natürlich in Nahrungsmitteln vorkommenden Ballaststoffe gehen meist in der Verarbeitung von Lebensmitteln verloren oder werden absichtlich entfernt. Die allermeisten verarbeiteten Lebensmittel haben einen sehr geringen Ballaststoffgehalt. treats Produkte weisen alle einen hohen Ballaststoffgehalt auf.

Fazit: Ballaststoffe haben viele wichtige gesundheitliche Vorzüge, die allerdings bei hochverarbeiteten Lebensmitteln verloren gehen, da Ballaststoffe im Produktionsprozess entfernt werden.

8) Verarbeitete Lebensmittel zu verdauen, braucht weniger Energie und Zeit


Lebensmittelhersteller wollen, dass ihre hochverarbeiteten Produkte eine lange Haltbarkeit aufweisen. Außerdem soll jedes einzelne Produkt die gleiche Konsistenz haben und leicht verzehrbar sein. Hochverarbeitete Produkte sind leicht zu kauen und schlucken, als würden sie im Mund zergehen, richtig? Ballaststoffe werden bis auf einen sehr geringen Anteil entfernt und die Inhaltsstoffe sind raffiniert. Somit werden nur isolierte Nährstoffe zurückgelassen, die nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Nahrungsmittel zu tun haben. Eine Konsequenz daraus ist, dass wir weniger Energie brauchen, um diese Produkte zu essen und zu verdauen. Doch nicht nur das: Wir können mehr davon in einem geringeren Zeitraum (= mehr Kalorien) essen und da weniger Energie beim Verdauen nötig ist, werden auch weniger Kalorien verbraucht. Eine Studie hat gezeigt, dass man zwei Mal mehr Kalorien verbraucht, wenn man unverarbeitete Lebensmittel verdaut.[xi]

Fazit: Wir verbrauchen nur halb so viele Kalorien, um hochverarbeitete Lebensmittel zu verdauen, im Vergleich zu wenig oder gar nicht verarbeiteten Lebensmitteln.

PS: In unseren gesunden Snackboxen sind hochverarbeitete Lebensmittel tabu!


[i] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23594708
[ii] http://www.nutritionandmetabolism.com/content/2/1/5; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2673878/
[iii] http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=199317; http://www.medpagetoday.com/upload/2013/3/1/journal.pone.0057873.pdf; http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(00)04041-1/abstract; http://ajcn.nutrition.org/content/86/4/899.short; http://www.medical-hypotheses.com/article/0306-9877(83)90095-6/abstract
[iv] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22011680; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22016109
[v] http://www.hindawi.com/journals/isrn/2013/435027/
[vi] http://journals.lww.com/co-clinicalnutrition/Abstract/2010/07000/Neurobiology_of_food_addiction.3.aspx
[vii] http://ajcn.nutrition.org/content/76/1/266S.short; http://pediatrics.aappublications.org/content/103/3/e26.short; http://ajcn.nutrition.org/content/91/6/1541.short
[viii] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16918875; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22555633
[ix] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18287346; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11396693
[x] http://onlinelibrary.wiley.com/store/10.1111/j.1365-2036.2011.04602.x/asset/j.1365-2036.2011.04602.x.pdf?v=1&t=ibj264ph&s=dee2417751173607b97f4910434172865694104e
[xi] http://www.foodandnutritionresearch.net/index.php/fnr/article/view/5144

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