Welcher Zucker ist gesund? 8 Alternativen zu raffiniertem Zucker

/ 27. Juni 2016

Die Lebensmittelindustrie hat es nicht leicht. Noch weniger die Konsumenten. Nachdem Fett und Cholesterol fast 40 Jahre lang als gesundheitsschädlicher und gewichtsmaximierender Übeltäter identifiziert wurde und die Produkte mit “0,3 % Fett” bzw. “fettarm” beworben wurden, setzt sich nun weltweit die Erkenntnis durch: Raffinierter Zucker ist viel böser als Fett! Denn auf sein Konto gehen Krebserkrankungen, Arthrose, frühzeitige Alterung, Diabetes Typ 2 und Fettleibigkeit.

40 Jahre Rückendeckung

Das Wissen rund um die Gefahren des weißen Übels ist eigentlich nicht neu. Der Londoner Ernährungswissenschaftler John Yudkin warnte bereits 1972 in seinem Buch ”Pure, White and Deadly” vor Haushaltszucker:

“If only a small fraction of what we know about the effects of sugar were to be revealed in relation to any other material used as a food additive,” (…) “that material would promptly be banned.”

Doch leider stützte sich die Lebensmittelindustrie und die Mainstream-Ernährungswissenschaftler auf die These, dass nur Fett alleine der Grund für Diabetes, Fettleibigkeit und Herz-Kreislauferkrankungen sei. Yudkin wurde degradiert und niemand traute sich die nächsten Jahrzehnte in seine Fußstapfen zu treten.

Low Fat? Low Sugar! Die Unschuldsvermutung wird jetzt aufgehoben

Das ist jedoch aus heutiger Sicht überholt: Denn weshalb soll der Mensch, der seit jeher gesättigte Fette (sogar über die Muttermilch) zu sich nimmt, diese plötzlich nicht mehr vertragen? Industriezucker ist auf der anderen Seite erst seit 300 Jahren fixer Bestandteil unserer Ernährung. Die Anti-Fett-Lobby verliert nun dank der Arbeit von Yudkin und u.a. dem Kinderarzt Robert Lustig zunehmend ihre Bedeutung –  der Industriezucker rückt aufgrund der Tatsache, dass erstmals mehr Menschen adipös als unterernährt sind, wieder in den Fokus.

Auch mit dem Film “Voll verzuckert – That Sugar Film” rückt der kristallisierte Gefahrenherd wieder ins Zentrum. Ähnlich wie in der Doku “Supersize Me” wagt der Regisseur und Schauspieler Damon Gameau einen Selbstversuch: Der Australier verzichtete drei Jahre lang auf künstlich beigefügten Zucker. Er nahm nur natürlichen Fruchtzucker aus Früchten, Gemüse und Milchprodukten zu sich. Dann passte er 60 Tage lang seinen Ernährungsstil an jenen eines typisch australischen Jugendlichen an. Auf den Teller kamen vermehrt Lebensmittel mit verstecktem, raffinierten Zucker sowie fettarme Joghurts und Smoothies. Tabu waren klassische Sünden wie Softdrinks und Süßigkeiten. Fazit: Nach zwei Monaten wog er 8,5 Kilo mehr! Sein Bauchumfang wuchs um 10 Zentimeter und seine Blutwerte verschlechterten sich drastisch. Zu dieser Erkenntnis kam auch der Wiener Hormonspezialist Christian Matthai, nachdem er sich ein Jahr ohne Haushaltszucker ernährte. In seinem Experiment 365tagezuckerfrei.com zeigt er u.a., dass sein Vitalstoffgehalt und die Geschmackssinne in der zuckerfreien Zeit weitaus höher sind.

Zucker umgehen? Nichts schwieriger als das

“Gut, dann verzichte ich eben auch auf Zucker.” Der Wille ist schnell da, die Umsetzung erweist sich aber als holpriger. Den Großteil des Zuckers nehmen wir nämlich durch salzige Lebensmittel zu uns, wo wir ihn nicht vermuten würden: in Tiefkühl- und Fertigprodukten, im Brotaufstrich, Tomatensugo, Babybrei (!) oder im ganz normalen Brot an sich. So kommt laut dem Mediziner Matthai jeder von uns – ohne es zu merken – auf täglich 33 bis 38 Stück Würfelzucker.

Der Zuckerkonsum ist in den letzten 150 Jahren um das 20-fache angestiegen. Alleine das Werbebudget für Süßigkeiten liegt bei 700 Millionen Euro im Jahr und stellt jenes von 20 Millionen für Obst und Gemüse ins Abseits. Weshalb? Laut Food Watch erzielen Süßigkeiten und Snacks weitaus höhere Gewinne als gesunde Lebensmittel.

Wie erkenne ich ungesunden Zucker?

Lebensmitteln müssen innerhalb der EU gekennzeichnet werden. Da das Wort “Zucker” bei den Konsumenten bereits negativ behaftet ist, lassen sich die Hersteller so einiges einfallen. So hat ein Marktcheck-Test 70 verschiedene Bezeichnungen für Zucker ausfindig gemacht. So passierte es, dass ein “ungesüßtes” Capuccino-Pulver trotzdem zu 40 % aus Zucker bestand – nämlich aus Süßmolkenpulver.

Namen fuer Zucker
Quelle: Verbraucherzentrale Bayern e.V., Juni 2013

Viele Ärzte und Institutionen prognostizieren einen Tsunami an chronischen Erkrankungen und fordern daher die Hersteller auf, Zuckerfallen zu vermeiden. Die Konsumenten werden angehalten, bewusster mit der industrialisierten Süße umzugehen und natürliche Alternativen vorzuziehen.

Welcher Zucker ist gesund?

Back to the roots: Analog zu Yudkins These verträgt der Mensch am besten, was er vor der industriellen Herstellung des Zuckers genossen hat. Also die natürliche Süße aus:

  1. Honig,
  2. Früchten und speziell Trockenfrüchten,
  3. Ahorn-, Reis- sowie Agavensirup,
  4. dem kalorienarmen und kariesbekämpfenden Birkenzucker (Xylit),
  5. aus der kalorienfreien Stevia-Pflanze,
  6. Dicksäften, meist aus Äpfeln und Birnen gewonnen
  7. Kokosblütenzucker (aus dem Blütennektar der Kokospalme)
  8. sowie Vollrohrzucker aus unraffiniertem Zuckerrohrsaft, der vor Mineralien und Nährstoffe strotzt.

Doch Zucker ist Zucker und die Dosis entscheidet über gesund und ungesund. Deshalb sollte man auch mit den natürlichen Alternativen bewusst und sparsam umgehen.

Pssst: Wir versuchen, ungesunde Zuckerfallen weitgehend zu vermeiden. Diese sollen, gemeinsam mit ungesättigten Fettsäuren, draußen bleiben!


 

Quellen:

Zucker ist böser als Fett

The sugar conspiracy

Ein Leben ohne Haushaltszucker

Marktcheck: Versteckspiel mit Zucker

Die Autorin Stephanie Fischer textet und bloggt für treats.

Eine Antwort:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

Was dich vielleicht auch interessieren könnte: